GRUPPE HONNEF (to Mister Obama…)

Inspiration:

Ein ganz banaler Grillabend…

„Gruppe Honnef“

Freitag Nacht gegen 23:00 Uhr erreicht mich eine ungesicherte WhatsApp von Christian mit einer Vorladung zur Lagebesprechung, wie immer teuflisch geschickt verschlüsselt mittels des Code-Satzes „Habt ihr Lust, morgen zu Grillen?“

Ich bestätige umgehend meine Teilnahme, während Sonja als drittes Mitglied der Terrorzelle Honnef absagt. Ihre Botschaft tarnt sie durch die irreführende Aussage, sie wäre aufgrund eines Junggesellinnen-Abschiedes mit 10 Weibern auf einem Dieter Thomas Kuhn Konzert in Bonn. Übersetzt bedeutet dies, dass sie an diesem Wochenende das Ausbildungslager der Untergruppe Bonn leitet, ein wie ich finde durchaus akzeptabler Grund für ihr Nichterscheinen.

Sonja ist im übrigen für die Beschaffung und Verwaltung sämtlicher finanzieller Mittel der Gruppe verantwortlich. In ihren Zuständigkeitsbereich liegt auch die Organisation konspirativer Grundstücks- und Immobilientransaktionen, derzeit entsteht unter ihrer Leitung ein abhörsicheres Basislager an der Landesgrenze zur Sektion Rheinland-Pfalz. Die Toilettenanlagen sind bereits konfiguriert und nächste Woche erfolgt die Lieferung der als Gartenlaube getarnten Besprechungszentrale, deren Anlieferung aus Süd-Afghanistan doch länger dauerte als erwartet.

Samstag um exakt 18:00 Uhr erscheine ich wie verabredet in Christians Haus, Pünktlichkeit ist nun mal oberstes Gebot. Er teilt mir mit, dass der heutigen Besprechung Wolfgang beiwohnen wird. Was für eine Überraschung, das langjährige Mitglied der Gruppe Köln hab ich schon ewig nicht mehr gesehen. Er trifft gegen 18:30 Uhr ein, ohne seinen ihn sonst immer begleitenden Kumpel Guido. Auf meine Nachfrage nach Guido teilt er mir mit, dass letzterer keine Zeit hätte, zumal er nach 50 Semestern Studium tatsächlich sein Diplom gemacht hätte und nun zügig beruflich durchstarten wolle. Er arbeite gerade an einem detaillierten Konzept als Sport-Psychologe, das vermutlich in 5 bis 6 Jahren fertiggestellt ist. Ja, Guido war schon immer von der schnellen Truppe…

Wolfgang ist mittlerweile leitender Mitarbeiter einer Security-Firma und hat für heute von Christian die Aufgabe bekommen, uns über den Stand der Anarchie in der Sektion Köln zu unterrichten. „Es ist wichtig, regelmäßig über den Tellerrand zu schau’n“ betont Christian in seinen einleitenden Worten.

Wir beginnen unser Meeting mit dem obligatorischen Gruß an die uns abhörenden Geheimdienste NSA und BND, indem jeder von uns die folgenden Schlagworte in sein Smartphone spricht:

„Osama Bin Laden – Flüssigsprengstoff – Kinderficker – Taliban – Obama“

Wir wünschen anschließend den so aktivierten Geheimdienst-Mitarbeitern einen schönen Samstag Abend, soviel Höflichkeit muss sein. Anschließend fahren wir unsere Handys runter und entfernen die Akkus.

Wolfgang beginnt mit seiner Statusmeldung. Er ist ein grundoptimistischer Typ und hat durchaus erfreuliches zu berichten. Seinen Schilderungen zu Folge herrscht das totale Chaos im gesamten Bezirk Köln. Dies sei vorrangig der Verdienst der mit Migrationshintergrund behafteten Bewohnern der Stadt. Während er von den Russen mehr Integrationsunfähigkeit fordert, lobt er ausdrücklich den mit konsequenter Gewaltbereitschaft durchtränkten Unwillen sämtlicher türkischer wie arabischer Bevölkerungsgruppen, sich dem hiesigen System anzupassen.

Besonders vielversprechend seien dabei auch die derzeit größer werdenden Zuflüsse bulgarischer und rumänischer Migranten, die seiner Meinung nach künftig eine führende Rolle im Städtekrieg spielen werden.

Die Rolle der in den Brennpunkten fiktiv platzierten Security-Leuten ist dabei insofern bedeutend, dass durch ihre klar erkennbare Präsenz eine zusätzliche Provokation stattfände, deren Wert nicht zu unterschätzen sei.

Großartig! Wir stehen vor dem totalen Systemzusammenbruch! Christian skandiert Lobeshymnen auf die detaillierten Ausführungen seitens Wolfgang, bittet aber um akustische Mäßigung seiner Redelautstärke. Wolfgangs Tonfall erinnere mit zunehmender Rededauer dem eines Agitators der vierziger Jahre, die umliegende Nachbarschaft könne Verdacht schöpfen.

Christian ist auf absolute Sicherheit bedacht, die ausgeklügelte Tarnung unserer Zusammenkünfte ist sein Spezialgebiet. Sei es eine nach außen mutmaßlich harmlos erscheinende kleinbürgerliche Grillveranstaltung in seinem Garten. Oder aber ein von ihm initiierter brasilianischer Kindergeburtstag anlässlich des zweiten Geburtstages von Wolfgangs Sohn, welcher uns seinerzeit einen perfekten Schutz in mitten von zahlreichen Tänzern, Schwulen und Transen bescherte.

Ich befrage Wolfgang in seiner Rolle als Security-Organisator. Hier, so Wolfgang, komme es einfach nur darauf an, die notwendige Ruhe und den Überblick zu bewahren. Immerhin befehle er eine Elitetruppe hochspezialisierter Sicherheitsleute, eine ständige Bereitschaft als Entscheidungsträger sei da unabdingbar. So auch die Erklärung dafür, dass er seit mehr als zwei Jahren keinen Urlaub mehr gemacht habe, um ausschließlich diesem anarchischen Kampf zu dienen. Hut ab!

Kaum ausgesprochen demonstriert uns Wolfgang ein Beispiel seiner außerordentlichen Führungsqualität. Sein Diensthandy klingelt. Was heißt hier klingeln, es ertönt eine geradezu esoterisch mystische Melodie, die ihn schlagartig in eine Art Trancezustand versetzt, um in der ihn jetzt erwartenden Extremsituation eine besonnene Entscheidung treffen zu lassen.

Einer seiner Leute meldet sich aus Chorweiler und vermeldet, dass sein Kollege offensichtlich was falsches gegessen hätte, zumal er gerade jede zweite Ecke des zu bewachenden Areals vollkotze. Wolfgang hört sich in stoischer Ruhe diese sich dramatisch zuspitzende Situation an:

„Hmm…okay…verstanden…“ Dann geht er kurz in sich, die Spannung ist zum zerreißen. „Schick ihn nach Hause, ich kümmere mich um Ersatz…“.

Ich stelle mir jetzt gerade vor, wie der arme Kerl in mitten von bis auf die Zähne bewaffneten Bulgaren auf sich alleine gestellt ist, den Tod vor Augen und sein kotzender Elitekollege neben sich.

Wolfgangs stahlblaue Augen vermitteln die Entschlossenheit des Anführers eines Todeskommandos in einem gottverdammten Platoon in Vietnam, der in den Hinterhalt geraten ist und nun die zerfetzend Leiber seiner verblutenden Truppe aus der Hölle retten muss. Er wählt die Nummer eines kooperativen Security-Ladens und bittet um Hilfe:

„…ich bin’s. Sag mal, hast du noch was frei, einer meiner Leute hat was falsches gegessen und kotzt jetzt Chorweiler voll. Kannst ja mal sehen, ob da was geht, sag mir Bescheid. Wenn nicht, dann eben nicht…ja…okay…tschüss…

„Wird sich schon regeln…“

Was für ein Krieger, der Mann ist echt gut und ich verstehe, warum Christian so große Stücke auf ihn hält.

Im Laufe des Abends ertönt die Eso-Melodie von Wolfgangs Handy noch mehrfach und versetzt uns alle in jene Trance, die einem Marihuana-Rausch ähnelt. Wir sind völlig tiefenentspannt, als er gegen 22:30 Uhr unser Meeting verlässt in Richtung Köln Weiden. Da wohnt er, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis dieser letzte noch einigermaßen friedliche Stadtteil Kölns im Chaos versinkt.

Es ist Sonntag Morgen, 11:25 Uhr. Mein Smartphone erklingt in den Stimmen tibetischer Mönchgesänge, die ich den WhatsApp-Meldungen zugeordnet habe. Total beruhigend. Christian wünscht einen guten Morgen und zeigt sich mit dem Verlauf der gestrigen Sitzung zufrieden, verbunden mit dem Appell zum unaufhörlichem Fortschritt:

„Weitermachen!“

JETZT ODER NIE – ANARCHIE!

Gruppe Honnef

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