BERLIN! (…wie in einem Film)

Inspiration:

Eine Dienstreise und die Geschichte eines kleines Mädchen…

„Berlin!“

Mein Hotel liegt direkt am Flughafen Tegel. Na, da hätte ich ja auch fliegen können. Der Lärm ist höllisch, deutet auf keine ruhige Nacht hin. Was soll´s, ich bin in Berlin! Das gehört dazu.

Über diese Stadt kann ich dir viele Geschichten schreiben, so wie diese jetzt. So viele skurrile Orte und Menschen, es ist einfach wundervoll. Kaum angekommen beschließe ich, wieder loszufahren. Etwa 15 km entfernt ist mein „Magic Place“, da will ich jetzt sein: der Mexikoplatz in Zehlendorf.

Also rein ins Auto, „Radio Fritz“ an und bei blauem Abendhimmel durch die Stadt crusien. SCHÖÖÖÖN!

Nach etwa 10 Minuten sorge ich erstmals für Aufregung, als ich in Wedding tief beeindruckt vor einem Verkehrspolizisten in seiner prächtigen weiß-grauen Uniform anhalte, weil ich seinen erhobenen Arm irrtümlicherweise als deutliches „Stopp“ interpretiere. Sein aufgeregt fuchtelndes Winken und lautes Trillerpfeifen erscheinen mir dann doch eindeutiger und veranlassen mich zur Weiterfahrt, dies unter dem Beifall der fröhlich hupenden Blechmasse hinter mir. Die bald folgende rote Ampel hat mit meinem Kopf bemerkenswert viel Ähnlichkeit.

Ich erreiche mein Ziel, suche mir in einer Seitenstraße einen Parkplatz. Scheinbar hat es hier einen Wasserrohrbruch gegeben, der Asphalt ist nass. Ich bemerke gut 20 Meter vor mir eine kleine Menschenansammlung, neugierig wie immer geselle ich mich ihnen zu.

Wir beobachten Aufnahmen für einen Spielfilm oder eine Fernseh-Serie. Das Drehbuch sieht offensichtlich eine herbstliche Regenszene vor, in der die zwei in langen Mänteln gekleideten Protagonisten eine von Autos und Radlern befahrene Straße dialogschwanger überqueren müssen.

Spektakulär! Das läuft in etwa so ab: die zwei Kerle am Bürgersteigrand, über ihnen ein an einer riesigen Angel hängendes Mikrofon. Vor ihnen ein Hubwagen mit Kameramann und Regisseur, rings herum viele große Strahler, die alles in surreales Licht hüllen. Von drei Seiten Regenmaschinen, die den kompletten Bezirk unter Wasser setzen. Blauer Golf und Fahrrad 1 oben, Fahrrad 2 unten.

„UUUUNNNNND ACTION!“

Das sagen die wirklich! Mobile fahren und Kerle labern los, warten schauend, gehen dann durch den Regen über die Straße. Der Hubwagen kreist um die beiden. Woody Allen regt sich auf, das ganze nochmals. Alles wieder an die Startposition, „UUUUNNNNND ACTION!“

Nach drei Versuchen ist die Szene im Kasten, die in schwarzen Regenjacken gekleidete Crew applaudiert erleichtert und klopft sich gegenseitig auf die nassen Schultern. Feierabend!

Willkommen in Berlin, ich sag’s ja.

Auf zum Mexikoplatz. Nicht wirklich ein Platz, sondern eine gigantische Kreuzung, in der die Argentinische und Lindenthaler Allee mit ihren traumhaften Altbauvillen münden. Alles ist wunderschön begrünt, mit Blick auf einen unglaublichen Jungendstil-Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert. Der hat den 2. Weltkrieg irgendwie unbeschadet überlebt und sucht seitdem seines Gleichen.

Ich suche mir eine der zahlreichen Außen-Gastrotomien, bestelle mir Berliner Tappas und Rotwein. Tue das, was ich am liebsten mache, schaue mir still die Menschen an und höre ihnen zu. Schreibe mir meine Gedanken auf meinen Block, Stoff für Geschichten.

Ich beobachte ein paar tobende Kinder auf einem Spielplatz neben dem Restaurant. Mir fällt ein kleines Mädchen auf, das ruhig und allein im Sand wühlt. Um ihren Hals trägt sie eine Kette mit einem großen silbern verzierten Schlüssel. Sie redet nicht, scheint die anderen nicht zu verstehen.

Ich bin müde und melancholisch, tue mir plötzlich leid. Wünsche mir, du wärest jetzt bei mir. Ich bete und danke Gott, dass ich hier sein darf, frage ihn nach meinem Weg. Während ich auf seine Antwort warte, bemerke ich plötzlich das kleine Mädchen mit ihren langen sonnengebleichten Haaren neben mir. Ich erkenne sie, mein Herz erfüllt sich mit tiefer Freude. Es verschlägt mir die Sprache.

Sie aber zieht mich zu ihr, legt mir die Kette mit dem schönen Silberschlüssel um den Hals und flüstert mir leise doch klar ins Ohr:

„Il mondo è pieno di porte“

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